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Von den CERN-Wurzeln zur Quantensteuerung bei Creotech Quantum S.A.

Das Warschauer Unternehmen verkauft Elektronik, die wissenschaftlichen Geräten vorgibt, was sie tun sollen und zu welchem Zeitpunkt. Die nächste Herausforderung ist, Quantencomputer über das Labor hinauszubringen.

Veröffentlicht Aktualisiert
CRQ · Warsaw

Die Geschichte von Creotech Quantum S.A. beginnt mit drei CERN-Mitarbeitern und einem ungewöhnlichen Ansatz beim Verkauf von Elektronik. Sie machten die Baupläne frei zugänglich. 2008 gründeten sie Creotech Ltd., den Vorgänger von Creotech Instruments S.A. In einer Präsentation am CERN erläuterte Mitgründer Grzegorz Kasprowicz die Geschäftsidee. Offene Hardwareentwürfe ließen Kunden verstehen, wie die Geräte funktionierten, und sie selbst anpassen. Geld verdiente das Unternehmen mit dem Bau vollständiger Systeme, Software und Unterstützung. Frei verfügbare Baupläne bauen sich schließlich nicht selbst zusammen.

Dieses Geschäft mit wissenschaftlicher Elektronik erhielt eine neue Form, als sich Creotech Quantum S.A. am 1. April 2026 von Creotech Instruments S.A. abspaltete. Das Unternehmen mit Sitz in Warschau wurde noch im selben Monat an der Warschauer Börse notiert. Es liefert Steuerelektronik für Quantenexperimente, präzise Zeitsynchronisation, wissenschaftliche Kameras und Technik für quantengesicherte Kommunikation. Die Steuerelektronik setzt die Anweisungen eines Forschers in elektrische Signale für Laser, Detektoren und andere Instrumente eines Quantenexperiments um. Die Aufgabe besteht darin, diese Instrumente mit präzisem Timing zusammenarbeiten zu lassen.

Was Kunden tatsächlich kaufen

Forschungslabore und Entwickler von Quantencomputern kaufen die Elektronik von Creotech Quantum S.A., um Experimente zu steuern, ohne jede Leiterplatte selbst entwerfen zu müssen. Das Sinara-Sortiment besteht aus Modulen mit unterschiedlichen Aufgaben, etwa Signale zu erzeugen, Spannungen einzustellen oder Messwerte zu erfassen. Kunden können einzelne Platinen oder ein aufgebautes System bestellen, ergänzt um Schulung, Kalibrierung und Integrationshilfe.

Die Platinen arbeiten mit ARTIQ, einem quelloffenen Steuerungssystem, das M-Labs gemeinsam mit dem US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology entwickelt hat. Forscher beschreiben ein Experiment in Python-basiertem Code. Spezialisierte Hardware führt die Teile aus, die präzises Timing erfordern. So lässt sich die Abfolge in der Software ändern, während die Geräte dieselben bleiben.

Früher bauten Labore einen großen Teil dieser Ausstattung selbst. M-Labs beschreibt, wie Sinara als besser reproduzierbare, modulare Alternative zur eigens entwickelten Hardware früher ARTIQ-Installationen entstand. Kompatible Platinen erlauben Forschern daher, mehr Zeit mit Experimenten und weniger mit der Wartung ihrer eigenen Elektronik zu verbringen.

Auch ein offener Entwurf braucht einen Lieferanten

Creotech Quantum S.A. fertigt die Platinen und hilft Kunden bei ihrem Einsatz, entwickelt aber nicht jeden Teil von Sinara allein. Ein großer Teil des Hardwareentwurfs stammt von der Technischen Universität Warschau; das Unternehmen beteiligt sich an Entwicklung und Tests. M-Labs und QUARTIQ unterstützen die Anbindung an ARTIQ. Nach Angaben von Creotech Quantum S.A. funktionieren seine Module auch mit Sinara-Hardware anderer Anbieter.

Diese Offenheit schafft Auswahl. M-Labs verkauft selbst aufgebaute Sinara-Systeme. Außerhalb dieses Ökosystems bietet Quantum Machines die Steuerungsplattform OPX1000 an, während Qblox seinen modularen Cluster zur Steuerung und Messung von Qubits verkauft. Hard- und Software unterscheiden sich, weshalb die Wahl vom jeweiligen Prozessor und Experiment abhängt. Da Kunden Sinara-Systeme auch von anderen Anbietern beziehen können, muss Creotech Quantum S.A. mit seinen Geräten sowie Integrations- und Unterstützungsleistungen überzeugen.

Es gibt Hinweise darauf, dass Forscher diesen Ansatz schätzen. In einer Veröffentlichung über das AEgIS-Experiment am CERN nennen die Autoren langfristige Unterstützung und eine Gemeinschaft mit ähnlicher Ausrüstung als Gründe für den Wechsel von eigener Elektronik und Software zu Sinara und ARTIQ. Das spricht für die gemeinsame Plattform, sagt aber nichts über den Wert eines Auftrags an Creotech Quantum S.A. aus.

Von Forschungsgeräten zu größeren Maschinen

Das Geschäft hat bereits Geräte für europäische Quantencomputerprojekte geliefert. Im Dezember 2021 berichtete Creotech Instruments S.A., dass seine Sinara-Produkte, darunter ein Verstärker namens HL Booster, in AQTION eingesetzt wurden. Das von der Universität Innsbruck koordinierte Projekt entwickelte einen Quantencomputerprototyp in standardisierten Geräteracks. Damit ist der Einsatz der Elektronik des Vorgängerunternehmens in einem laufenden Entwicklungsprogramm dokumentiert.

Das Millenion-Projekt richtet diese Entwicklungsarbeit auf größere Quantencomputer aus. Es nutzt gefangene Ionen, also elektrisch geladene Atome, die Quanteninformation tragen. Creotech Quantum S.A. entwickelt Elektronik, die durch veränderte Spannungen diese Ionen festhält und zwischen Fangzonen bewegt. Mit der Zahl der Steuersignale wächst auch die Schwierigkeit, sie mit Geräten in einem extrem kalten Gehäuse zu verbinden. Daher entwickelt das Unternehmen einen Spezialchip, der nahe an der Ionenfalle arbeiten soll. So sollen sich mehr Signale steuern lassen, ohne entsprechend viele zusätzliche Verbindungen von außen zu benötigen. Ein größerer Quantencomputer braucht mehr als eine größere Kabelschublade.

Die weitergehende Ambition von Millenion reicht bis zu 1.000 Qubits. Die erste finanzierte Phase zielte laut Europäischer Kommission auf ein System mit 100 Qubits. Die Kommission verzeichnet dafür knapp €20 Millionen EU-Förderung und den 31. August 2026 als Enddatum. Das sind Entwicklungsziele und Fördermittel eines Konsortiums, kein ausgeliefertes Produkt mit 1.000 Qubits und kein Umsatz von Creotech Quantum S.A.

Die breitere Nachfrage hängt noch stark von Forschungsinvestitionen ab. Das EU-Programm Quantum Technologies Flagship startete 2018 mit einem erwarteten Budget von €1 Milliarde über zehn Jahre für Quantencomputing, Kommunikation, Sensorik und weitere Forschung. Steuerelektronik erhält einen Teil der Ausgaben zum Aufbau dieser Systeme. Für Creotech Quantum S.A. liegt die Geschäftschance darin, projektbezogenes Engineering in Produkte zu verwandeln, die Kunden beim Bau weiterer Maschinen erneut bestellen.

Entfernte Geräte im gleichen Takt

Präzises Timing ist auch außerhalb eines einzelnen Quantenexperiments nützlich. Die White-Rabbit-Switches, Schnittstellenkarten und Entwicklungsleistungen von Creotech Quantum S.A. helfen Geräten, über ein Netzwerk eine gemeinsame Zeitbasis zu nutzen. Ein Radioteleskop muss beispielsweise Messungen verschiedener Antennen aufeinander abstimmen. Gemeinsam sind diese Daten nur sinnvoll, wenn die Geräte darin übereinstimmen, wann sie aufgenommen wurden.

White Rabbit wurde am CERN mit Partnern entwickelt. Es misst und kompensiert Verzögerungen in Netzwerkverbindungen, damit die spezialisierte Hardware Uhren auf weniger als eine Milliardstelsekunde synchron halten kann. Forscher können so weit voneinander entfernt erfasste Messwerte vergleichen, ohne einen Uhrenfehler mit einer interessanten Beobachtung zu verwechseln. Zu den veröffentlichten Beispielen des Unternehmens gehören Zeitverteilungsgeräte für CERN, FAIR/GSI und das Radioteleskop LOFAR.

Der rackmontierbare White-Rabbit-Switch WRS-3/18 von Creotech Quantum S.A. mit seinen 18 Netzwerkanschlüssen
White-Rabbit-Switch mit 18 Anschlüssen von Creotech Quantum S.A. Produktabbildung von Creotech Quantum S.A.

Von gemeinsamen Uhren zu gemeinsamen Schlüsseln

Die Fähigkeit, entfernte Geräte zu synchronisieren, unterstützt auch Creotech Quantum S.A.s Arbeit an Quantenschlüsselverteilung, kurz QKD. Das Unternehmen entwickelt Geräte, mit denen Organisationen geheime Verschlüsselungsschlüssel zwischen Standorten teilen können. Der geplante Aufbau verbindet Sender und Empfänger über Glasfaser und nutzt White Rabbit zur Synchronisation. Banken, Telekommunikationsanbieter und öffentliche Einrichtungen sind mögliche Nutzer; derzeit bietet das Unternehmen Beratung und Pilotprojekte an.

QKD nutzt optische Signale, um an beiden Standorten übereinstimmende geheime Schlüssel zu erzeugen. Versuche, diese Signale zu messen, können erkennbare Störungen verursachen. Deshalb prüfen die Geräte die Ergebnisse und verarbeiten sie zu nutzbaren Schlüsseln. Diese werden anschließend an ein gewöhnliches Verschlüsselungssystem weitergegeben, das die Daten schützt. QKD liefert somit die Schlüssel, statt die Daten selbst zu verschlüsseln. Die Geräte und die Kommunikation zur Prüfung der Ergebnisse müssen weiterhin abgesichert werden.

Zwei rackmontierbare QKD-Module aus dem offiziellen Produktprospekt von Creotech Quantum S.A.
QKD-Module aus dem Produktprospekt von Creotech Quantum S.A. Abbildung von Creotech Quantum S.A.

Finanzzahlen

Durch die Abspaltung lassen sich die ersten Abschlüsse leicht missverstehen. Der gesetzliche Abschluss von Creotech Quantum S.A. für das erste Quartal betrifft die Gesellschaft vor der Übertragung des operativen Geschäfts. Das Management veröffentlichte daneben eine illustrative Darstellung dieses Geschäfts, bei der gemeinsame Kosten anhand von Schätzungen zugeordnet wurden.

Illustrative Zahlen von Januar bis März in PLN Millionen aus dem Quartalsbericht des Unternehmens.

KennzahlQ1 2025Q1 2026
Produktumsatz2.435.54
Fördererträge1.433.46
Operatives Ergebnis / Verlust−1.601.80

Der Produktumsatz hat sich mehr als verdoppelt. Fördermittel machten in Q1 2026 rund 38% der Summe aus Produktumsatz und Fördererträgen aus. Kundenrechnungen und Forschungsförderung stützen beide das Geschäft, stammen aber aus unterschiedlichen Quellen. Das Ergebnis enthält außerdem die Kostenzuordnungen des Managements und bildet kein vollständiges Quartal als eigenständiges Unternehmen ab.

Unabhängig davon nahm das Unternehmen im Mai 2026 durch eine Aktienemission PLN 81,2 Millionen vor Kosten ein. Nach eigenen Angaben soll der Erlös Forschung, Entwicklungs- und Testeinrichtungen, den kommerziellen Ausbau und möglicherweise Übernahmen finanzieren.

Hier finden Sie die Finanzübersichten und den Berichterstattungskontext von Creotech Quantum S.A..

Das Geschäft nach der Abspaltung verfolgen

Creotech Quantum S.A. plante seinen Halbjahresbericht für den 30. September 2026. Er sollte die ersten Monate nach der Übertragung des operativen Geschäfts abdecken. Das Management hatte darauf hingewiesen, dass Aufbaukosten die ersten Berichtsperioden belasten würden. Diese Kosten sind beim Vergleich der Abschlüsse des eigenständigen Unternehmens mit den obigen illustrativen Zahlen wichtig, weil beide unterschiedliche Phasen des Geschäfts beschreiben.

Zum Unternehmensprofil von Creotech Quantum S.A..

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